„Die FakeHunter“ hinter den Kulissen

Wie kam es eigentlich zu der Idee, ein Projekt wie „Die FakeHunter“ ins Leben zu rufen?

2015 war nicht nur ein sehr schweres Jahr für die vielen Menschen, die auf der Flucht waren und Schutz vor Krieg, Verfolgung und Folter suchten, sondern auch ein schwarzes Jahr für die Wahrheit. Lüge und Hetze haben sich ausgebreitet, wie eine schnell um sich greifende Krankheit.
Und was passiert, wenn ein Medianpädagoge und eine Bibliothekarin/ Bibliothekspädagogin bei einer netten Pizza zusammensitzen? Sie spinnen Ideen, wollen die Welt verbessern und ihrer Leidenschaft „Medien- und Informationskompetenz vermitteln“ nachgehen. Aufklärung betreiben, da wo es am Nötigsten ist. Diejenigen schützen und schulen, die am schutzbedürftigsten erscheinen: die Kinder und Jugendlichen. – Was nicht heißt, dass „Die FakeHunter“ nicht genauso wichtig für alle Erwachsenen sind.

So kam es, dass Andreas Langer von der Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein und ich aus der Büchereizentrale Schleswig-Holstein gemeinsam beschlossen, wir wollen etwas für die Verbesserung der Medienkritik tun. Wir wollen der inflationären Ausbreitung von Lüge und Hetze etwas entgegensetzen.

Uns war klar, wir wollen etwas gegen FakeNews tun, FakeNews-Prüfwerkzeuge entwickeln und vermitteln – aber auch gleichzeitig den Kindern Spiel und Spannung bieten. Die große Frage war: Wie können wir die Jugendliche News überprüfen lassen, ohne sie in die abstrusen Tiefen des Internets zu schicken? Und da gerät man hin, wenn man auf der Suche nach FakeNews ist. Das sind Themen und Bereiche, in denen wir unsere Kinder nicht sehen möchten. Also beschlossen wir, die News selbst zu schreiben. Die Idee war einfach: Wenn wir ein eigenes NewsPortal erstellen, in dem wir alle News selbst geschrieben haben (wahre News und Fakes), dann können wir sicher sein, die Kinder und Jugendlichen schützen zu können. Trotzdem können wir sie frei auf einem attraktiven NewsPortal recherchieren lassen.

Aber wie macht man das Ganze spannend? Der Ansatz des Storytelling war eigentlich gesetzt. So kamen wir zu der Geschichte des Planspiels: Die Jugendlichen werden als Mitarbeiter einer Detektei für Faktencheck ausgebildet und dann als neue Mitarbeiter auf die Recherche geschickt. Mehr dazu unter www.diefakehunter.de .

Doch die Umsetzung stellte uns vor große Herausforderungen. Die meisten davon konnten aber mit der Hilfe einer sehr kreativen und lebendigen AG aus Bibliothekarinnen aus schleswig-holsteinischen Bibliotheken (Eckernförde, Lauenburg und Neumünster) und mit Studierenden der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Studiengang BIM) gelöst werden.

SH-Magazin vom 5.3.2019, Autor: Thilo Buchholz, Copyright: NDR (Vielen Dank für die Freigabe!)

Besonders die Hilfe von Angelika Rust aus Neumünster war Gold wert. Sie hat ihre sehr guten Kontakte zu den Lehrkräften in ihren Schulen genutzt, um Testklassen zu finden, die Lehrkräfte zu begeistern und schließlich sogar eine Lehrkraft für die Eröffnung und den Drehtermin des SH-Magazins zu gewinnen.

Insgesamt haben wir 1,5 Jahre lang „Die FakeHunter“ entwickelt. Nun ist das Projekt unterwegs in der Welt. Und das sogar sehr erfolgreich. Nicht nur, dass wir inzwischen fast 50 Bibliotheken in Schleswig-Holstein haben, die fortgebildet wurden und das Planspiel in ihrer Bibliothek durchführen könnten (32 davon haben sich auch bereits registrieren lassen – weiter folgen Ende März). „Die FakeHunter“ bekommen am 19.3. auf dem Bibliothekskongress sogar den 2. Preis beim Best Practice Wettbewerb der Kommission Informationskompetenz. Und „Die FakeHunter“ stoßen bei allen Bibliotheken in Deutschland und sogar im benachbarten Ausland auf großes Interesse. Durch die offene Bildungslizenz (Download später unter www.bz-sh.de ) werden können wir das Planspiel allen zur Verfügung stellen können. Mehr dazu auf www.diefakehunter.de . Überlegungen zur Schulung von Bibliotheken außerhalb von SH werden wir gemeinsam mit unserem Partner AKJS Anfang April beginnen.

Uns hat dieser Erfolg dann eigentlich doch überrascht – auch wenn wir uns natürlich gewünscht haben, dass „Die FakeHunter“ erfolgreich sein werden. Überrascht und sehr gefreut hat uns auch das mediale Interesse (SH-Magazin, Radio R.SH, Presse, Fachzeitschriften usw.). Wir werden jetzt so oft gefragt, ob wir Vorträge und Workshops zu dem Planspiel anbieten können, dass wir gar nicht alle Anfragen abdecken können. Wir reisen sogar in die Schweiz zum Zürcher Bibliothekartag, um auch den KollegInnen dort von unserer Idee zu berichten.

Es ist schon erstaunlich, was aus eine wilden Idee bei Pizza dann am Ende so werden kann 😉

 

Über monkat

ZwischenSeiten Diplom-Bibliothekarin Vorträge, Seminare, Schulungen
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