#Bibtag2017 Welche Qualifikationsanforderungen soll ein „Teaching Librarian“ erfüllen?

Neue Ergebnisse einer Umfrage von Inka Tappenbek, Anke Wittich und Maria Gäde haben auf dem Bibliothekartag für frischen Diskussionsstoff bei der Frage nach den Qualifikationen von BibliothekarInnen gesorgt, die im Bereich Bibliothekspädagogik tätig sind.

Die Ergebnisse wurden auf dem Bibliothekartag 2017 in Frankfurt vorgestellt und später in einem Workshop intensiv diskutiert. Die ausführlichen Ergebnisse können unter https://www.o-bib.de/article/view/2017H1S32-47/5661 in der Open Access-Zeitschrift obib nachgelesen werden.

Grundlage der Umfrage war zum Einen die Untersuchung von Stellenanzeigen in der Mailingliste InetBib. Zum Anderen wurde ein Fragebogen entwickelt, der ebenfalls über InetBib veröffentlicht und beworben wurde. Insgesamt haben sich 384 Personen an der Umfrage beteiligt. Davon 90 % aus wissenschaftlichen Bibliotheken. Aufgeteilt wurde nach 3 verschiedenen Qualifikationsprofilen: FAMI, BA und Re/ MA.

Dies ist auch einer der Punkte, die ich bei dieser sehr sinnvollen und notwendigen Untersuchung bedauere: Der Schwerpunkt lag doch sehr auf dem wissenschaftlichen Bereich (in Forum ÖB wurde z.B. nicht für die Beteiligung an der Umfrage geworben). Ich würde mir eine solche Umfrage mit dem Focus auf öffentliche Bibliotheken wünschen. Es kann vielleicht sogar sinnvoll sein, diese beiden Bereiche getrennt zu betrachten. Da die Bandbreite der Altersstufen, die in öffentlichen Bibliotheken betreut werden, von Klein(st)kindern bis zu Senioren reicht und deutlich andere Themen und Lebenssituationen abdeckt, sind sicherlich auch andere Qualifikationen gefragt. Dabei könnte bei der Erstellung der Umfrage auf die bisherigen Grundlagen zurückgegriffen werden. Wichtig ist, bei der Auswertung eine Vergleichbarkeit herstellen zu können. Insofern macht es Sinn, sich auf den bereits erstellten Fragebogen zu beziehen.

Welche Qualifikationen wurden von den KollegInnen in der Umfrage als wichtig und notwendig bewertet?

Natürlich wurden als erstes die fachlichen Kenntnisse genannt, wie Quellenkompetenz, Wissenschaftskompetenz, technik – und Medien kompetenz u.a. Ebenfalls verständlich ist auch die Forderung nach besonderen sozialen Kompetenzen, die den Umgang mit großen Gruppen und die Lehrtätigkeit umfassen. Neu für den bibliothekarischen Berufsbereich sind z.B. die Bedürfnisse nach Grundlagen der Lerntheorie und Bibliotheksdidaktik, nach didaktischen und methodischen Kompetenzen sowie Kenntnissen im e-Learning-Bereich.

In dem Workshop auf dem Bibliothekartag wurde in einem WorldCafe über folgende 3 Fragen diskutiert:

1. Entspricht die [bisherige] Ausbildung den Anforderungen? Welche Inhalte sollen die (Hoch-)Schulen [für zukünftige BibliothekarInnen] vermitteln?
Also die Frage, was muss Berufsanfängern vermittelt werden, damit sie in der Praxis direkt mit ihren beruflichen Aufgabe starten können. Meiner Meinung nach müssen wir besonders an dieser Stelle darüber nachdenken, ob die Studienanfänge noch das richtige Berufsbild im Kopf haben, das sie veranlasst hat, dieses Studium bzw. diesen Beruf zu ergreifen. Die personalen Kompetenzen für den bibliothekspädagogischen Bereich erfordern jemanden, der gerne vor einer Gruppe steht und der gerne lehrt. Es erfordert Qualitäten eines Entertainers, eines Dompteurs und eines Animators. Gleichzeitig soll ein Teaching Librarian mutig, flexibel und neugierig sein.

2. Welche speziellen Anforderungen werden an FAMIs, Bachelor- und Masterabsolventen gestellt?
Die personalen und fachlichen Anforderungen an einen Teaching Librarian lassen sich in der täglichen Arbeit nicht nach den einzelnen Qualifikationsstufen aufteilen. Die Befugnisse und Zuständigkeiten aber sehr wohl. Hier spalten sich die einzelnen Beschäftigungsstufen nach den Eingruppierungen auf. Hauptsächlich durch diese sind die Grenzen zwischen Bacelor- und Master-BibliothekarInnen und den FAMIs festgelegt. Die berufliche Realität ist oft genug mit den Vorgaben des Tarifvertrages konfrontiert. In kleinen und mittleren öffentlichen Bibliotheken tritt dieses Problem sicherlich deutlicher zu Tage, als in Großstadtbibliotheken oder Hochschulbibliotheken. Je kleiner ein Team in der Bibliothek ist – und wir haben im öffentlichen Bereich reichlich One Person Librarys, die auch nicht immer mit BA-/MA-BibliothekarInnen besetzt sind – desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen der Qualifikationsstufe und der realen Tätigkeit.

3. Station

3. Welche aktuellen und zukünftigen Entwicklungen der beruflichen Praxis sollten im Qualifikationsprofil aufgenommen werden?
Die für mich spannendste Station war die Diskussion über die zukünftig aufzunehmenden Inhalte. An dieser Station wurde der Bedarf an pädagogisch-didaktischen und methodischen Kompetenzen und Kenntnissen besonders deutlich. Die Bandbreite war groß: eLearning, Blendet Learning, Lern- und Entwicklungspsychologie, digitales Storytelling, Kenntnisse in der Videoproduktion, Social Media. Das bestätigt meine bisherigen Schwerpunkte, wenn ich wieder für die nächsten Studierenden (an der HAW) die Vorlesung zur Bibliothekspädagogik und den „Bildungsurlaub Bibliothekspädagogik 2018“ (für Alle 😉 )für die bereits berufstätigen KollegInnen zusammenstelle.

Insgesamt ist diese Umfrage mit ihren Ergebnissen eine sehr gute Grundlage für eine weitreichende Diskussion über unser zukünftiges Berufsbild und über die Anforderungen, die an uns gestellt werden. Da wir mitten in einem Umbruch sind – sowohl das Berufsbild des Bibliothekars, als auch des Images der Bibliotheken an sich – wünsche ich mir eine weitere angeregte Diskussion über Studieninhalte, aber auch über Fort- und Weiterbildungen für die KollegInnen, die schon länger im Beruf sind. In angrenzenden Ländern gibt es ihn schon länger, den „Lehrenden Bibliothekar“: Teacher-Librarian (USA, Großbritanniern), Skole-Bibliothekar (Dänemark), Lehrer-Mediothekar (Belgien)…

Über monkat

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