Neues Statement: Bibliotheken als starke Vermittler für Bildung und Kultur in Städten und Gemeinden

Wegweiser Bildungspartner BibliothekDeutscher Städtetag, Deutscher Städte- und Gemeindebund und Deutscher Bibliotheksverband (DBV) stärken gemeinsam in ihrem Positionspapier „Bibliotheken als starke Vermittler für Bildung und Kultur in Städten und Gemeinden“ den Bibliotheken in ihrer Rolle als Kultur- und Bildungsvermittler den Rücken.

Ziel des Positionspapiers ist die Bekräftigung des gemeinsamen Willens, eng zusammenzuarbeiten und Entwicklungsperspektiven für die Bibliotheksarbeit in den Städten und Kommunen aufzuzeigen. Die Verbände sehen Bibliotheken in einer wichtigen Schlüsselstellung bei der Aufgabe, Deutschland in eine zukunftsfähige Wissensgesellschaft zu überführen. Die Bibliotheken „sind heute weniger Bewahrer des Wissens als vielmehr moderne Bildungs- und Medienzentren mit einem umfassenden Vermittlungsauftrag. […] Die Stadt- oder Gemeindebibliothek erfüllt hier als offener innerstädtischer Lernort eine weitere wichtige Funktion […].“

Bibliotheken als starke Vermittler PositionspapierDie Verbände nehmen in dem knapp 12-seitigen Papier zu verschiedenen Fragen Stellung und stärken damit den Strukturwandel im Bibliothekswesen mit neuen Aufgaben als Bildungspartner – nicht nur für die Schulen.

 

 

 

 

 

  1. Stellenwert der Bibliotheken in den Kommunen

Der Wandel der Bibliotheken hin zu Kultur- UND Bildungseinrichtungen hat schon vor langem begonnen. Bibliotheken sind wichtige Partner bei der Vermittlung von Lese-, Medien- und Informationskompetenz.

  1. Leistungen der Bibliotheken für die Kommunen

Nicht nur der DBV, sondern eben auch der Städtetag und der Städte- und Gemeindebund halten Bibliotheken für einen „unentbehrlichen Bestandteil der kommunalen Kultur- und Bildungsinfrastruktur“. Sie fordern gemeinsam „eine flächendeckende Bibliotheksinfrastruktur gerade auch im ländlichen Raum“ und „eine solide Finanzausstattung“. Das kommt einer Positionierung der Bibliotheken als Pflichtaufgabe schon nahe. Eigentlich sollte sich mit diesem Papier keine Stadt oder Gemeinde mehr aus der Verantwortung schleichen können.

Die Verbände sehen dabei die öffentlichen Bibliotheken nicht nur als Dienstleister für die Schulen sondern postulieren ganz deutlich die Schulbibliothek als „wesentlichen Baustein im Betrieb einer Ganztagsschule“. „Die Neugründung und der Ausbau von Schulbibliotheken in Zusammenarbeit mit hauptamtlich geleiteten öffentlichen Bibliotheken stellen zudem vielerorts einen wichtigen Teil der Bildungsarbeit dar.“ Damit wird der Konkurrenz zwischen Schulbibliotheken und öffentlichen Bibliotheken eine klare Absage erteilt und die verschiedenen Einrichtungen zu einer sinnvollen und systematischen Kooperation aufgerufen. Schließlich stehen immer am Ende die Städte und Gemeinden hinter beiden Angeboten, die sich synergetisch ergänzen sollen.

Besonders hervorgehoben wird die Rolle der Bibliotheken als Lernort für die Frühförderung und die schulische Bildung. Kooperationsvereinbarungen auf lokaler Ebene sind weiterhin gefragt und bilden nach wie vor die Grundlage für eine effektive Zusammenarbeit von Kindertagesstätten, Schulen und Bibliotheken. Damit kommt den Bibliotheken – als Vermittlerinnen grundlegender Kulturtechniken – im Unterschied zu Sportvereinen, Musikschulen u.ä. eine besondere Rolle in der Bildungslandschaft zu. Die Kooperationen mit Volkshochschulen haben einen besonderen Stellenwert. Es sollen verbesserte Kooperationen und Kooperationsvereinbarungen angestrebt werden.

III. Zukunftsperspektiven der Bibliotheksarbeit angesichts der Entwicklung digitaler Kommunikationstechniken

Wichtige Informationen – fundiert und qualitativ hochwertig – sind heute oft nur noch digital zugänglich. Bibliotheken ermöglichen allen Bürgern den Zugang zu diesen Informationen und leiten einen wichtigen Beitrag zur digitalen Teilhabe und zur Verhinderung der digitalen Spaltung. „Die Ausübung des im Grundgesetz verbrieften Grundrechts, „sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“, wäre ohne Bibliotheken in der digitalen Welt nicht gewährleistet.“ Neben der Forderung nach Open Access geht mit dieser Aussage indirekt auch die Forderung einher, dass alle digitalen Medien und Datenbanken den Bibliotheken zur Verfügung stehen können sollten. Das schließt eine angemessene Ausstattung der Bibliotheksetats zur Anschaffung digitaler Informationsquellen ebenso ein, wie die ungehinderte Verfügbarkeit von eBooks usw. für die Nutzung in und durch Bibliotheken.

Die Digitalisierung und digitale Erschließung des gesamten Kulturgutes ist notwendig, um die weitere Zugänglichkeit für Forschung und Wissenschaft zu gewährleisten. Der Ausbau der „Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB)“ ist hierfür ein wichtiger Baustein und sollte mit entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden.

  1. Entwicklungsperspektiven für die Bibliotheksarbeit

Trotz der anerkannten Wichtigkeit leiden die Bibliotheken unter der seit Jahren schwierigen finanziellen Lage und sind in ihrer Existenz und Funktion gefährdet.

Die Verbände wünschen sich folgende Maßnahmen:

  • Bibliotheken in wirtschaftlich schwächeren Regionen stärken
  • Fahrbibliotheken im ländlichen Raum bereitstellen, Kooperation aller Arten von Bibliotheken untereinander (stationär und mobil) und mit den anderen Bildungseinrichtungen, Angebote für alle Zielgruppen, regionale Verbünde und gemeinsame Angebote und Dienstleistungen
  • rechtliche Rahmenbedingungen für digitale Medien (vor allem eBooks) sichern und anpassen

Die wünschenswerten Entwicklungsperspektiven werden auf den verschiedenen Ebenen ausgeführt:

National:

  • Bibliotheken als Teil der Bildungsinfrastruktur verankern (Stichwort Bibliothekgesetze auf Landes- und Bundesebene)
  • koordinierte Innovations- und Entwicklungspolitik für das Bibliothekswesen
  • Schaffung finanzieller Sicherheit außerhalb der Konkurrenz um Ressourcen
  • Blick ins Ausland mit Beispielen für gesamtstaatliche Koordinierung und nationale Agenturen

Lokal bzw. regional:

Lokale Strategien sollen sich an den Leitzielen und Schwerpunkten der jeweiligen Kommune orientieren. Dieses stützt die Ausrichtung der Bibliotheksarbeit und Profilierung der Bibliothek.

Potentiale und Strategien der Verzahnung kommunaler Bibliotheken mit Ganztagsschulen:

  • Die Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken und Schulen sollte in den Lehr- und Bildungsplänen der jeweiligen Länder verankert sein.
  • Alle Schulen sollten mit schulbibliothekarischen Angeboten auf verschiedenen Stufen (von Dienstleistungen der Öffentlichen Bibliothek bis hin zur eigenen Schulbibliothek) versorgt sein. Alle SchülerInnen sollten Zugang zu einer Schulbibliothek oder einer öffentlichen Bibliothek in angemessener Nähe haben.
  • Die Schulbibliothek wird definiert als: In einem Raum zusammengefasster und systematisch erschlossener Medienpool mit angemessener Informationstechnik. Der Medienbestand ist auf das Profil der Schule ausgerichtet. Die Schulbibliothek fördert Sprachentwicklung, Lesekompetenz und das Interesse an Literatur. (Leider fehlt mir hier die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz.)
  • Schulbibliotheken sollen von „speziell für diese Aufgaben geschultem Personal betreut werden.“ Die staatlichen Fachstellen unterstützen Schulbibliotheken mit entsprechenden zentralen Dienstleistungen.

Potentiale und Strategien der Verknüpfung kommunaler Bibliotheken mit anderen kommunalen Einrichtungen:

  • Wichtigste Kooperationspartner für Bibliotheken sind Kindertagesstätten, Schulen, Volkshochschulen, Seniorenheime, Archive und Stadtmuseen.
  • Die Kooperation und enge Zusammenarbeit von Bibliotheken und Volkshochschulen wird besonders hervorgehoben. Sie sollen ihre Bildungsangebote aufeinander abstimmen und miteinander verschränken.
  • „Bund und Länder sollten insbesondere durch eine ausreichende Finanzausstattung der Kommunen für eine adäquate öffentliche Bildungsinfrastruktur sorgen.“

 

Insgesamt halte ich dieses Positionspapier für richtungsweisend und eine gute Grundlage für die politischen Diskussionen in den Städten und Gemeinden. Jede Bibliothekarin kann sich auf diese Aussagen beziehen, wenn es darum geht, in den Kulturausschüssen über das Wohl oder Wehe der Bibliothek zu verhandeln. Da die Verbände der Städte und Gemeinden dieses Papier mittragen, sollten sie sich nicht mehr so ohne weiteres aus der Affäre ziehen können.

Es bleibt, diesem Papier eine weite Verbreitung zu wünschen (dafür können wir alle sorgen) und zu hoffen, dass sich dieses Papier auch auf Bundesebene in den entsprechenden Gremien, Ausschüssen usw. wieder findet. Vielleicht kann es ja doch einmal ein bundesweites Bibliotheksgesetz geben, zu dem auch die einzelnen Länder „Ja“ sagen können. Ein Papier wie dieses setzt Standards fest und gibt Richtungen vor – trotzdem bleibt es jedem Bundesland überlassen, sich im Rahmen der Kulturhoheit der Länder um die jeweiligen Umsetzungen dieser Standards zu kümmern.

Link zum vollständigen Positionspapier: http://www.bibliotheksverband.de/fileadmin/user_upload/DBV/positionen/final_160504_KS_Erklärung_Öffentliche_Bibliotheken.pdf

Über monkat

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