Schwung für die Diskussion über Schulbibliotheken?

Schlamp_Schulbibliothek im Zentrum

Schlamp, Günter: Die Schulbibliothek im Zentrum. Erfahrungen, Berichte, Visionen. –
Berlin: BibSpider, 2013. – ISBN 978-3-936960-51-8

Günter Schlamp stellt sich als ausgesprochenen Fan von Schulbibliotheken dar. Das macht er in seinem Buch „Die Schulbibliothek im Zentrum“ ausführlich deutlich.

Viele seiner Forderungen, die er für die Weiterentwicklung von Schulbibliotheken erhebt, sind nachvollziehbar:

 

  • Schulbibliothek muss von Schule und Unterricht her gedacht werden
  • Schulbibliothek soll die Weiterentwicklung des Klassenzimmers sein
  • Schulbibliothekare sollen zu gutem Unterricht beitragen
  • Schulbibliothek soll Dienstleistungszentrum für Lehrkräfte, Schulleitung und die Lernenden sein

Allerdings stellt er auch Forderungen auf, die nicht ganz unumstritten sein dürften. Er fordert z.B., dass Schulbibliotheken Länderaufgaben sein sollen – so weit so gut. Aber auch: Die Mittel zur Finanzierung der Schulbibliotheken sollen von den öffentlichen Bibliotheken abgezogen und deren Mittel reduziert werden (S. 31). Er schürt mit seinen Aussagen zur Aufgabenverteilung zwischen Schul- und öffentlichen Bibliotheken den unsinnigen Konflikt und die überflüssige Konkurrenz zwischen Schulbibliotheken und öffentlichen Bibliotheken.

Recht gebe ich ihm in der Kritik, dass Schulbibliotheken derzeit personell sehr stiefkindlich behandelt werden: Langzeitarbeitslose, Eltern, Schüler, Freiwillige – oft keine Fachleute, die in den Schulbibliotheken  arbeiten. Er fordert, die Lehrkräfte für die Bibliotheksarbeit fit zu machen – mit dem Konzept des Teacher Librarian im Auge, das sowohl in Skandinavien, als auch in den USA gut funktioniert. Aber: So lange diese Zusatzausbildungen nicht angeboten und gewürdigt werden, sollte Schlamp anerkennen, dass die öffentlichen Bibliotheken die Fachleute bereits bieten und an sehr vielen Stellen eine gute schulbibliothekarische Beratung liefern.

Auch in dieser Kritik muss ich ihm Recht geben: Schulbibliotheken als Schwerpunktthema in der bibliothekarischen Ausbildung gibt es bisher nicht – meist ist sie in den Angeboten für Bibliothekspädagogik und anderen verwandten Themen enthalten. Hier könnte sicherlich schon im Studium eine bessere Grundlage für zukünftige SchulbibliothekarInnen gelegt werden.

Im Großen und Ganzen stehen bei ihm amerikanische Vorbilder ganz Vordergrund – im Prinzip inspirierend, um neue Ideen zu entwickeln, was Schulbibliothek tatsächlich leisten könnten. Aber diese lassen sich eben nicht so einfach auf deutsche Verhältnisse übertragen. Ich denke, um Schulbibliotheken hierzulande erfolgreicher zu machen, müssen die hier anderen Rahmenbedingungen untersucht und akzeptiert bzw. verändert werden. Es müssen andere, auf die hiesigen Bedingungen eingehende Konzepte und Vorgehensweisen entwickelt werden.

Schlamp sieht als Kernfrage: „Wie müssen Räume aussehen, in denen mit Büchern und digitalen Medien in unterschiedlichen Arbeits- und Sozialformen gelernt wird?“ Er malt mit seinen Zukunftsvisionen ein attraktives, zukunftsorientiertes Bild von dem, was Schulbibliothek sein kann: Als hybride Schulbibliothek sieht er ein bereicherndes Nebeneinander von Büchern & PC/ Internet/ neuen Medien. Schulbibliothek nicht als Raum, sondern als Prinzip (Lesende Schule), das in die die ganze Schule hinein wirken kann.

Für manche Fragestellungen hat Schlamp sich Gastautoren eingeladen. So stellt Markus Fritz (Südtirol) bspw. in den Vordergrund, dass Bibliothekspädagogik nicht Selbstzweck sein darf, sondern in ein didaktisches Gesamtkonzept zur Vermittlung von Informations- und Medienkompetenzen eingebettet sein soll.

Abschließend stellt Schlamp in seinem „Masterplan“ ein lange Aufgabenliste zusammen, die die Schulbibliotheken voran bringen soll:

  • Schulbibliothek von der Schule her denken
  • Schulbibliothek als Lernraum oder Bestandteil einer Lernlandschaft Schulbibliothek als aktive Institution
  • Schulbibliothek mit Informationstechnologie und digitalen Geräten
  • Evaluation von Leistungen von Schulbibliotheken
  • neue bibliothekarische Kernfunktionen neue Schulbibliothekare (neue Qualifikation Teaching Librarian)

Ergänzt mit zahlreichen Fußnoten und langen Linklisten (auf denen aber der Verweis auf www.schulmediothek.de erstaunlicher Weise fehlt) hat Günter Schlamp hier sicher ein provozierendes, die Diskussion anregendes Plädoyer für Schulbibliotheken zusammengestellt.

Über monkat

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2 Antworten zu Schwung für die Diskussion über Schulbibliotheken?

  1. Pingback: Neue Besprechung des Buches “Die Schulbibliothek im Zentrum” | Basedow1764's Weblog

  2. Basedow1764 schreibt:

    Über die insgesamt wohlwollende Rezension habe ich mich gefreut. Warum dann aber die sinnentstellende Behauptung, ich würde die Schulbibliotheksfinanzierung auf Kosten der Finanzierung der öBen verlangen?
    Auf der angegebenen Seite 31 schlage ich vor, dass die Einrichtung von Schulbibliotheken Ländersache und nicht kommunale Aufgabe sein sollte. Das umfasste übrigens auch die Bezahlung pädagogisch, nicht nur verwaltungstechnisch tätiger Schulbibliothekare.
    Wieso ginge das auf Kosten der Finanzierung öffentlicher Bibliotheken?. Die finanzieren doch die Kommunen und nicht das Land!
    Die vergleichsweise bescheidenen Landeszuschüsse für kommunale Bibliotheken stammen aus dem kommunalen Finanzausgleich (KFA). Für den gibt es eine gesetzlich festgelegte Quote, die nicht einfach gekürzt werden kann.Allerhöchstens kann umgeschichtet werden.
    Hessen hat 1914 1,25 Mio € aus dem KFA für Projektförderung an verschiedene öBen verteilt. Der Wegfall würde die kommunalen Bibliotheken nicht in den Ruin treiben, zumal die Kommunen auf der anderen Seite einige Ausgaben für Schulbibliotheken einsparen könnten.

    Ich zitiere übrigens mit der Forderung der Streichung von Landeszuschüssen und der direkten Förderung von Schulbibliotheken durch die Länder die Diplom-Bibliothekarin Helga Neumann, die dies 1988 in ihrer immer noch lesenswerten, nur partiell zeitbedingt veralteten Dissertation vorschlug. Lesenswert deshalb, weil es in den 30 Jahren davor und den bald 30 Jahren nichts gab, was das deutsche Schulbibliothekswesen voran gebracht hätte.

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