Landesfachtag Schulbibliotheken in Schleswig-Holstein 14.11.2015

Schulbibliothekstag SH 2015 WebEin Schmuckstückchen von Schülerbücherei in der Emil-Possehl-Schule in Lübeck war in diesem Jahr der Treffpunkt für LeiterInnen und BetreuerInnen von Schülerbüchereien aus ganz Schleswig-Holstein. Sogar aus Niebüll und von Sylt waren Teilnehmerinnen angereist, die sich in Vorträgen und Workshops über Neuerungen im Bibliothekswesen genauso informiert haben, wie über Möglichkeiten der Integration von MitbürgerInnen aus anderen Ländern.

EmilPossehlSchule WebDen Rahmen des Schulbibliothekstages nutzte Farsaneh Samadi im Namen des IQSH als Gelegenheit, um Ute Griep für ihr Engagement für die Leseförderung in der Schule Hutzfeld zu danken und die Schule mit dem Sigel „BISS-Schule – Bildung durch Sprache und Schrift“ auszuzeichnen. Mehr Informationen unter http://www.biss-sprachbildung.de/ In einem der Workshops konnte Ute Griep dann ihr Projekt „In Kisten und Koffern – Tiere auf Wanderschaft“, das auf einer reichhaltigen Wanderausstellung beruht, detailliert vorstellen.

Farsaneh Samadi ist aber auch selbst in der Leseförderung tätig und stellte ihr Projekt „Papa macht Radio“ vom Verein „Initiative Mehrsprachigkeit e.V.“ vor, das 2015 mit dem Lesepreis der Stiftung Lesen (http://www.deutscher-lesepreis.de/aktuelles/ ) ausgezeichnet worden ist.

Neue Sichtweisen vermittelte Dr. Reyhan Kuyumcu in ihrem Vortrag „Welche Bedeutung hat die mehr-sprachige Praxis in der Lesesozialisation im häuslichen Umfeld?“. Der Titel versprach fundiertes Wissen, der Vortrag dagegen lebendige Berichte aus der Praxis – der Forschungspraxis genauso, wie aus der eigenen biografischen Erfahrung.
Konzept vorstellenHier ein kleine Zusammenfassung des Vortrags:
Dr. Kuyumcu begann ihren Vortrag mit vielen Fragen an die ZuhörerInnen: Wer einen Kalender besitzen würde? Wer eine Pinnwand zu Hause hätte? Wer würde denn Einkaufszettel schreiben? Oder auch: Wer hatte als Kind seine eigenen Buntstifte und Malblöcke zur Verfügung gehabt? Seltsame Fragen? Fast alle TeilnehmerInnen haben den Fragen zugestimmt. Da wurde deutlich: Wir sind in einer Schriftkultur aufgewachsen, Schreiben, Lesen, Stifte, Papier, Bücher – als das wird als wertvoll und wichtig angesehen. Nur wer schreibt, der bleibt. Ganz anders in Familien, die aus anderen – erzählsprachlich geprägten Kulturen – zu uns gekommen sind. Aus der Sicht von Dr. Kyumcu erscheinen selbst uns unsere geläufigen Rituale, Texte und Gewohnheiten seltsam. So z.B. die Texte, die den Bürgern von den Finanzämtern zugeschickt werden – das Ziel ist nicht, das der Bürger die Texte versteht. Oder der Stapel von Anmeldeformularen und Hinweisen, die einem bei der Anmeldung des Kindes im Kindergarten ausgehändigt werden. Oder die Wichtigkeit von schriftlichen Krankmeldungen. Viele Beispiele machten den ZuhörerInnen deutlich, warum oft gut gemeinte Angebote an MitbürgerInnen aus anderen Kulturkreisen nicht ankommen. Werden dagegen Einladungen mündlich überbracht, sind sie ungleich häufiger von Erfolg gekrönt.
Ebenso spannend, wie der Unterschied zwischen der schrift-geprägten Kultur und der Erzählkultur, stellt sich der Unterschied zwischen kollektiven Gesellschaften und unserer individuellen Gesellschaft dar. Auch hier macht der Blick auf einzelne Beispiele deutlich, wie unterschiedlich die Sichtweisen sind. Wo bei den Einen das „Ich“ im Vordergrund steht, wo schon Kleinkinder nach ihrer Meinung gefragt werden, steht auf der anderen Seite die Einbindung in das Kollektiv, in die Familie. Allen fallen auf Anhieb verschiedene Situationen ein, in denen das Verhalten der BürgerInnen aus anderen Kulturen Irritationen hervorgerufen haben. Aber aus der Sicht einer kollektiven Gesellschaft heraus, lässt sich vieles davon erklären und vor allem: Verstehen!
Diese verschiedenen Sichtweisen haben natürlich Einfluss auf das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Die Erwartungen an die Aufgaben und Ziele z.B. eines Kindergartenbesuchs gehen dabei weit auseinander: Sie haben auch Einfluss auf die Wirksamkeit von lesefördernden Angeboten. Das Ziel der Leseförderung ist, die schrift-sprachliche Kultur unseres Landes zu vermitteln und so die Integration zu unterstützen. Alle diese Vorbedingungen müssen bedacht werden, wenn Angebote in der Leseförderung (z.B. mehrsprachiges Vorlesen) entwickelt werden.

In einem weiteren Workshop habe ich selbst dann den MitarbeiterInnen aus den Schulbibliotheken das bibliothekspädagogische Spiralcurriculum nahe gebracht. Ergänzt wurde diese Grundlage durch vielfältige Ideen und Konzepte, mit denen in der Kooperation von Bibliotheken und Schulen Medien-, Informations- und Recherchekompetenz an die SchülerInnen vermittelt werden kann.

Maushand gelbDie Präsentation zu diesem Vortrag finden Sie hier:
Fachtag Schulbibliotheken 2015.

Auch wenn die Gruppe überschaubar war, so war das Engagement der TeilnehmerInnen und der Wunsch nach einer weiteren Vernetzung doch groß. Von den ca. 20 TeilnehmerInnen waren fast 1/3 Bibliothekarinnen, auch aus einer öffentlichen Bibliothek (Wedel), die eng mit den Schulbibliotheken ihres Ortes zusammen arbeitet. Auch wenn unklar geblieben ist, wie es mit dem Schulbibliothekstag weitergeht, ein Treffen im nächsten Jahr fanden alle sinn- und wertvoll.

Über monkat

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