2. Forum Bibliothekspädagogik: „Pluspunkt lebenslanges Lernen“

2. Forum BibliothekspädagogikDas 2. Forum Bibliothekspädagogik zog in diesem Jahr über 170 Interessierte in den hohen Norden. Die Zentrale der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen am Hühnerposten wurde für einen Tag Dreh- und Angelpunkt zum Thema Bibliothekspädagogik. Zahlreiche Vorträge und Workshops boten Informationen, Neuigkeiten und kreative Einstiege für Bildungsangebote von Bibliotheken für alle Altersgruppen. Von Bilderbuch-Apps für die Kleinsten bis hin zu Angeboten für SeniorInnen, von freizeitorientierten Konzepten bis hin zu universitären Schulungen wurde an alle Bevölkerungsschichten und -gruppen gedacht. Dass Bibliotheken nicht nur als Partner für die Schulen wichtig sind, sondern auch im Bereich lebenslanges Lernen einiges zu bieten haben, zeigte die rege Teilnahme an Workshops und Diskussionen.

In den Eröffnungsvorträgen haben Jochen Dudeck (DBV-Kommission Kinder und Jugend) und PD Dr. Ulrike Hanke (Teachertraining Freiburg) mit ihren Statements zum Nachdenken angeregt und für Diskussionsstoff für den kommenden Tag gesorgt.

Konzept vorstellenJochen Dudeck: „Bibliothekspädagogik und Perspektivwechsel“

„Wir müssen rennen, um auf der Stelle zu bleiben“ (Alice im Wunderland)

Auch Bibliotheken sind dem „Anschlusszwang“ in Bezug auf die Digitalisierung der Welt und Gesellschaft ausgeliefert. Lebenslanges Lernen ist längst kein leeres Schlagwort mehr, sondern gelebte berufliche und gesellschaftliche Realität. Wer nicht mitschwimmt und sich ständig weiterentwickelt, wird abgehängt. Informationskompetenz und Medienkompetenz sind überlebensnotwendig geworden, um in der Gesellschaft Erfolg zu haben.
Dabei sollte der „Kompetenzbegriff“ aber durchaus auch kritisch betrachtet werden. Jochen Dudeck sieht hier einige Punkte, die im Auge behalten und diskutiert werden müssen:
1. Risiken werden privatisiert. Der Ruf nach benötigten Kompetenzen wirft die Verantwortung für den Erfolg auf den Einzelnen zurück.
2. Schulungen in Informationskompetenz für SchülerInnen treffen die Realität in den Schulen und in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen oft nicht.
3. Medienpädagogische Angebote greifen nicht, weil die Probleme, die gelöst werden müssen, eigentlich Andere sind und ganz anderer Lösungsstrategien bedürfen.
4. Etablierte Strukturen müssen kritisch betrachtet und immer wieder hinterfragt werden.

grüner PfeilJochen Dudek fordert daher:
⇒ Zurück zu den Inhalten, zu den Universalien menschlicher Kultur.
⇒ Weg von der Fixierung auf die aktuellen Vermittlungskanäle.
⇒ Hin zu einer Beziehung zum „Anderen“
Bibliotheken bieten ein begrenztes Beziehungsangebot auf Zeit. Es geht eben auch immer um lebendige Begegnung, Austausch und ein gemeinsames Lernen an einem einladenden Ort. Bildungsarbeit ist auch in Bibliotheken in erster Linie als Beziehungsarbeit zu sehen.
⇒  Bibliothekspädagogische Arbeit muss endlich auch in den Bibliotheken selbst und bei den Leitungen und KollegInnen angemessen wertgeschätzt werden.
⇒ Bibliotheken müssen den Teller verlassen und aus ihrer Komfortzone herauskommen. Bildungsarbeit ist heute nicht mehr ohne Netzwerkarbeit zu leisten. „From Collection to Connection!“ Bibliotheken müssen sich stärker in die kommunalen Bildungslandschaften und -Netzwerke einbringen, um als Partner ernst genommen zu werden. (vgl. hierzu auch meine Thesen in „Kommunale Bildungslandschaften in SH“ )

Die Slides zu Jochen Dudecks Vortrag kann man sich unter https://jugendbibliothek21.wordpress.com/2015/01/29/vortrag-in-erfurt-nach-remscheid/ ansehen.

Konzept vorstellenPD Dr. Ulrike Hanke: „Bibliothekspädagogik, Bibliotheksdidaktik, Vermittlung von Informationskompetenz – was brauchen Öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken wirklich?“

Ulrike Hanke hat in ihrem Vortrag einen Blick in den Baukasten der Bibliothekspädagogik geworfen und mit „Zutaten“ und „Zusätzen“ gelungene Grundbestandteile für pädagogische Konzepte näher beleuchtet.
Bildungsangebote sind immer eine Form von Interaktion und daher müssen zwei Grundlagen näher betrachtet werden:
1) Grundlagen des Motivierens: Lehrangebote sollen aktivierend sein, sollen viele Fragen aufwerfen und damit Diskussionen und eigenständiges Denken anregen, es soll ein gutes Lernklima geschaffen werden und es muss einen roten Faden geben.
Die Motivationspsychologie dient dabei als Grundlage für gelungene Bildungsangebote: Um Aufmerksamkeit zu wecken, wird ein „Ungleichgewicht produziert“ (z.B. Erkennen von Nicht-Wissen; Erkennen eines Problems, das gelöst werden muss), es werden den Lernenden Ziele gegeben und Interaktionen (zur Erreichung dieser Ziele) ermöglicht.
2) Grundlagen des Lernens: Lernförderlich sind vor allem interessante Themen. Die TeilnehmerInnen sollen am Ende etwas Neues können, sollen etwas gelernt haben oder sollen zum Nachdenken angeregt worden sein. Lernen wird als aktives Konstruieren von neuen Wissensstrukturen verstanden und bedarf einer vertieften Auseinandersetzung mit dem neu Erlernten.

grüner PfeilUlrike Hanke stellt auf Grundlage dieser Überlegungen ihren „bibliothekspädagogischen Ansatz“ vor:
⇒ Den Focus der Öffentlichen Bibliotheken stellt sie in den Bereich der Motivation. Interaktionen und Erfolgserlebnisse sollen ermöglicht und Wahlmöglichkeiten geboten werden.
⇒ Den Focus der wissenschaftlichen Bibliotheken sieht sie eher im Bereich des Lernens und Verarbeitens. Hier sollen Informationen dargeboten, aktiv bearbeitet und vertieft werden.

Maushand gelbEs ist geplant, die Präsentationen, Skripte und Materialien des Forums Bibliothekspädagogik im Internet zur Verfügung zu stellen:
https://forumbibliothekspaedagogik.wordpress.com/

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