Schuldt, Karsten: „Bibliotheken als Bildungseinrichtungen?“

Schuldt. Bibl. als Bild.einr 001Schuldt, Karsten: „Bibliotheken als Bildungseinrichtungen?“. –
Berlin: Simon, 2012. – ISBN 978-3-940862-38-9. –

Die zentrale Frage lautet: Welchen Bildungseffekt haben Bibliotheken und wie lässt sich dieser bestimmen? Ziel der Untersuchung ist die Überprüfung der Behauptung, Bibliotheken seien Bildungseinrichtungen. Schuldt legt den Focus auf Fragestellungen und Umsetzungen von Bildungsaktivitäten im Rahmen von öffentlichen Bibliotheken.

Bezogen auf die Unterteilung von Bildungsangeboten in formelle, non-formelle und informelle Bildung ordnet Schuldt Bibliotheken nicht einem einzelnen dieser Bereiche zu. Vielmehr sieht er die meisten Angebote von Bibliotheken als Unterstützungsangebote für die bereits vorhandenen formellen (z.B. Schulen) oder non-formellen (z.B. VHS) Bildungseinrichtungen. Auch wenn in den letzten Jahren verstärkt Versuche der Bibliotheken zu verzeichnen sind, durch Kooperationsverträge mit den Schulen und die Etablierung von bibliothekspädagogischen Spiralcurricula Bibliotheken als Teil der formellen Bildung zu festigen.

Die zunehmende Bedeutung von Bibliotheken als Vermittler von Informationskompetenz zielt aber meiner Meinung nach immer stärker darauf ab, diese Angebote im formellen Bildungsbereich einzubringen und „Bibliothek“ als Partnerin bei der Gestaltung von formellen Bildungsangeboten auch als aktive Akteurin ernst zu nehmen.

Schuldt sieht das Spiralcurriculum als Grundlage eines regelrechten Bibliotheksunterrichts an. Der Schwerpunkt der bibliothekarischen Bildungsarbeit sollte auf der Vermittlung von echten Kompetenzen liegen und nicht in der Durchführung von einmaligen Klassenführungen. Dieser Schwerpunkt spräche allerdings auch wieder für eine Etablierung der Bibliotheken in der formellen Bildung.

Er sieht die Bildungsaktivitäten von Bibliotheken auf vier Bereiche begrenzt:

1) Lesen, allgemeine funktionale Alphabetisierung
2) Recherche, Medien- und Informationskompetenzvermittlung
3) Lerntechniken
4) Bibliotheksnutzung

Bibliotheken erheben mittlerweile den Anspruch, Spezialisten für Informationskompetenz (Internetrecherche usw.) zu sein, dieser wird aber durch die bibliothekarische Ausbildung und Praxis (noch?) nicht untermauert. Auch Themen wie eLearning, Didaktik und Pädagogik kommen erst langsam bei den Bibliotheken an.

Viele Bibliotheken verstehen unter Informationskompetenz bisher meist nur: Medienkunde, Mediennutzung und Recherchekompetenz. Es fehlt (nach den Big 6 http://big6.com/pages/about/big6-skills-overview.php und https://zwischenseiten.com/2013/02/03/big6-in-middle-school/) die Vermittlung proaktiver Informationskompetenz: Was ist der Informationsbedarf? Was ist die Frage? Was ist der Wissensbedarf? Was sind die Schlüsselbegriffe? Wonach muss ich suchen? Dann kommt erst die Frage: Wo und wie kann ich suchen? Und schließlich: Wie gehe ich mit den gefundenen Informationen um?

Schuldt stützt sich bei seiner Untersuchung der Praxis nur auf die Auswertung von Fachliteratur und die Homepages der Bibliotheken. Was auf den Homepages nicht dargestellt wird, findet in diese Untersuchung auch keinen Einlass. Aus der Praxis heraus wird aber deutlich, dass die Homepages der Bibliotheken aus verschiedensten Gründen, vor allem in kleineren Bibliotheken (Personalmangel, nicht ausreichende Kompetenzen in der Pflege der Homepage, starre Systeme in den Stadtverwaltungen, die als Hosts fungieren usw.) nicht immer das widerspiegeln, was vor Ort geleistet wird. Und damit müssen seine Aussagen über die bereits gelebte Praxis der Kooperation mit anderen Bildungspartnern und die Bibliotheks-Angebote zur Informationskompetenz unvollständig bleiben.

In seinem Fazit kommt Schuldt zu der Feststellung, dass die von ihm untersuchte Realität noch deutlich hinter den Selbst-Ansprüchen und Darstellungen der öffentlichen Bibliotheken zurückbleibt. Die Gründe für dieses Missverhältnis konnten in dieser Untersuchung nicht geklärt werden und bedürfen weiterer Forschungen.

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2 Antworten zu Schuldt, Karsten: „Bibliotheken als Bildungseinrichtungen?“

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