Fuchs, Max: Kulturelle Bildung. Grundlagen – Praxis – Politik

fuchs kulturelle BildungFuchs, Max: „Kulturelle Bildung. Grundlagen – Praxis – Politik“. –
München: kopaed, 2008. – ISBN 978-3-86736-310-5 . – (Kulturelle Bildung; 10)

Fuchs stellt hier eine fundierte Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen kulturpädagogischer Arbeit zusammen. Er greift auch auf Nachbardisziplinen zurück und schafft durch viele Rückgriffe auf Ansätze und Theorien aus der gesamten Kulturentwicklung der letzten Jahrhunderte ein breites Fun­dament. Diese Ansätze werden kurz erläutert oder z.T. als bekannt vorausgesetzt, so dass die Lektüre als Einstieg in die Kulturforschung und eine breite weitere Beschäftigung mit dem Thema kulturelle Bildung gelten kann. Leider machen diese vielen Rückgriffe den Text auch sehr schwer lesbar, es ist kaum möglich allen bekannten oder unbekannten verweisen nachzugehen. Wenn man dies täte, würde sich fast ein richtiger Fernkurs in Kulturforschung ergeben, der sicher auch seinen Reiz hat.

Im 1. Teil stellt er die „Theoretischen Grundlagen“ vor. Mit verschiedenen Ansätzen aus Nachbar­gebieten nähert er sich – eben leider sehr theoretisch und mit nahezu philosophisch geprägten Rückgriffen – den Begriffsbestimmungen für „Kultur“, „Bildung“ und „kultureller Bildung“ an.

So greift er z.B. auf anthropologische Grundlagen zurück, indem er die Beziehung des Menschen zur Kultur deutlich macht. Kultur „ist die Gesamtheit der Prozesse (und deren Resultate), die der Mensch zum Zwecke seiner (kollektiven) Lebensgestaltung berücksichtigen muss“. (Fuchs 2008, S.20)

Der Mensch steht als Subjekt im Mittelpunkt der Theorien der Moderne. Es stellt sich daher die Frage, inwieweit sich der Mensch frei entwickeln kann, wenn er in der Gesellschaft in Handlungsmuster, Rol­len oder Typisierungen eingebunden ist. Bildung bzw. Schule wird so einerseits zum Instrument, den Menschen in das vorhandene Gesellschaftssystem einzupassen, bietet aber andererseits auch Chan­cen auf Teilhabe und Weiterentwicklung auf eine selbstbestimmte Freiheit hin.

Kulturelle Bildung ist nach der UN-Kinderrechtskommission und nach der Menschenrechtscharta als Menschenrecht auf Teilhabe am kulturellen Leben – und damit als Teil der Allgemeinbildung – einzu­stufen.

Im 2. Teil „Kulturelle Bildung in der Praxis“ unternimmt er zunächst eine Strukturierung aller Ak­teure: Aufschlüsselungen nach den Akteuren (Wer), nach den Bildungsarten (formale, nicht-formale, informelle Bildung) und nach den beteiligten Politikfeldern (Jugend-, Kultur und Schulpolitik).

Der verstärkte Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland bringt für die Anbieter und Akteure der kulturellen Bildung besondere Schwierigkeiten mit sich. Bisher als Teil des freien Nachmittagsange­botes positioniert, stellt sich nun die Schwierigkeit, die Schülerinnen und Schüler nach Schulschluss gegen 16 Uhr noch zu erreichen. Die Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen Partnerin­nen muss verstärkt und neue Wege der Angebotsvermittlung gefunden werden. Netzwerke und Bil­dungslandschaften bieten hierfür einen guten Ansatz.

Kompetenzen zum Bestehen in unserer Gesellschaft werden eben nicht nur in der Schule entwickelt, sondern auch durch kulturelle Bildung. Um diesen Bereich zu stärken wurde der „Kompetenznachweis Kultur“ des BKJ entwickelt und eingeführt.

Im 3. Teil „Gesellschaftliche Herausforderungen“ wirft Fuchs einen Blick in die heutigen und zu­künftigen Aufgaben von kultureller Bildung.

Da schulische Bildung immer auch als ein ambivalentes Instrument der Herrschenden zur Herstellung von Legitimation und Machtausübung genutzt wurde, stellt kulturelle Bildung hier einen wichtigen Gegenpart dar, der Widersprüche hervorruft, eigenständiges, kritisches Denken unterstützt und Werte vermittelt (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) die nach wie vor gelten.

Das Recht auf Teilhabe kann eben nur gemeinsam von allen an Bildung Mitwirkenden umgesetzt wer­den. „Da man inzwischen davon spricht, das Bildung eine Koproduktion der unterschiedlichen Akteure ist, sind die Schule und die außerschulischen Bildungsinstanzen gleichermaßen für die Herstellung dieser notwendigen Voraussetzungen von Teilhabe verantwortlich.“ (Fuchs 2008, S.231) Teilhabe setzt Integration voraus, um den Zugang für alle Bürger und Bürgerinnen zu ermöglichen. Hier liegt eine große Aufgabe der zukünftigen Angebotsstrukturen.

Insofern sind kulturpädagogische Organisationen als politische Akteure gefordert, sich einzumischen und ihren Einfluss geltend zu machen.

Über monkat

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