Pariser, Eli: Filter Bubble. Wie wir im Internet entmündigt werden.

Pariser, Eli. Filter BubblePariser, Eli: Filter Bubble. Wie wir im Internet entmündigt werden. – Hanser, 2012. – ISBN 978-3-446-43034-1

Unser Blick in die „Welt“ wird im Internet immer stärker durch die Algorithmen von Google, Facebook, Amazon und Co bestimmt. Die Suchmaschinen schreiben uns vor, was wir sehen, welche Links wir vorgeschlagen bekommen und beeinflussen, wohin unsere Klicks gehen.

Die Filter Bubble hat uns beim Surfen im Netz fest im Griff! Überall werden unsere Daten gesammelt, Cookies angelegt, um uns wiederzuerkennen und um unser Surf- und damit unser Konsumverhalten zu erforschen. Diese Daten werden genutzt, um uns noch mehr von den Dingen, Seiten und Anzeigen zu zeigen, die wir bereits kennen – und nach „Vermutung“ der Datensammelmaschinen auch schätzen. Personalisierung im Internet beeinflusst, welche Treffer Google uns zeigt oder welche Neuigkeiten von Freundinnen wir auf Facebook sehen können.

Oder ist euch noch nie aufgefallen, dass der Nachbar andere Google-Ergebnisse bekommt? Oder Amazon uns immer genau die richtigen Bücher empfiehlt? Oder Facebook „zufällig“ passende Werbung in unseren Account schiebt? Oder man von manchen Facebook-Freunden lange nichts gelesen hat, obwohl sie aktiv Neuigkeiten posten? Oder das man sogar auf wildfremden Internetseiten mit „Ihren Freunden XY und XZ gefällt diese Seite…“ begrüßt wird?

Mathematische Algorithmen sammeln Daten über uns und errechnen daraus, mit welcher Wahrscheinlichkeit wir welche Wege im Internet gehen. Vor allem für die Werbeindustrie sind diese Daten wahres Gold wert. Werbung und Marketing sind die eigentlichen Betreiber des Internet – vor allem hier wird das Geld verdient, das die Firmen brauchen um solche Dienstleistungen wie Google, Facebook und Co kostenlos anzubieten. Aber die Filter Bubble lullt uns in einem immer kleiner werdenden Kosmos ein.

Was bei Google, Facebook und Co beginnt, kann sich in Zukunft in ganz anderen Bereichen fortsetzen. Eine Fernsehwerbung zeigt bereits heute, wo der Weg hingehen könnte: In die Brille wird Google gleich mit eingebaut. „Augmented reality“ – die angereicherte Realität zeigt uns „augenblicklich“, welche Freunde in der Nähe sind, welche Geschäfte uns interessieren könnten, Informationen zu den Orten, an denen wir sind usw. Was wie ein Science Fiction klingt, kann bald Realität werden. Bleibt nur noch der Schritt, diesen Chip gleich in unser Gehirn zu implantieren…

Dabei bietet das Internet uns große Möglichkeiten und Chancen – auch zur Lösung der wirklich wichtigen Probleme. Neues, Unerwartetes, Anregendes und vor allem in Frage Stellendes wird in der Filter Bubble aber nicht mehr präsentiert. Der Internetnutzer muss aktiv, selbstbestimmt und bewusst danach suchen. Wahre Internetkompetenz muss sich dieser Mechanismen bewusst sein und gegen die Macht der Personalisierung wappnen. Wir können etwas dagegen tun: Was beim regelmäßigen Löschen der Cookies beginnt, sich bei der Nutzung transparenter Seiten und alternativer Suchmaschinen fortsetzt, geht dann auch in Forderungen an die Politik über. Ein verbesserter Datenschutz und eine lückenlose Kontrolle über unsere eigenen Daten können nur gesetzlich geregelt werden.

Eli Pariser macht uns schonungslos mit den Fallen der zunehmenden Personalisierung im Internet vertraut. Er zeigt die Konsequenzen für uns persönlich ebenso auf, wie für die Gesellschaft in der wir leben. Aber er macht uns damit auch ein ganzes Stück kompetenter, bewusst und selbstbestimmt mit unseren Daten und unserem Surfverhalten im Internet umzugehen. Nur so können wir auch in Zukunft beim Streifzug durch das Internet noch Überraschungen erleben und auf spannende neue Entdeckungen hoffen.
Eine Pflichtlektüre für jeden Internetnutzer!

Eine Leseprobe gibt es unter: http://files.hanser.de/hanser/docs/20111223_211122314516-65_20120227_978-3-446-43034-1_LP.pdf

Über monkat

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